Infrastruktur

Inselbetrieb Wasserkraftanlage

Der Grund für eine alternative Energieversorgung
Die Energieversorgung der ganzjährig bewirtschafteten Potsdamer Hütte erfordert alljährlich den Einsatz von großen Mengen an fossilen Energieträgern. Die Verbrennung von erheblichen Mengen von Diesel, Holz, Kohle und Gas verursacht eine große Umweltbelastung in der hochalpinen und ökologisch sensiblen Bergwelt durch Abgas- und Lärmemissionen.
Viele Naturgenießer fühlen sich insbesondere im Winter durch diese unangenehmen Geräusche und Gerüche in ihrer Erholungssuche belästigt.

Auch der Transport der fossilen Energieträger mittels Auto und Motorschlitten auf der teilweise sehr kurvigen und steilen Wegstrecke verursacht Abgas- und Lärmbelastung und bringt zudem eine erhebliche Unfallgefahr mit sich, da auch Wanderer, Radfahrer, Schitourengeher und Rodler den gleichen Weg benutzen. Zur entscheidenden Verringerung der Umweltbelastungen und Entschärfung der Verkehrsgefahren liegt es nahe eine alternative, möglichst ökologische und erneuerbare Energiequelle zur Versorgung der Potsdamer Hütte zu suchen.

Die Suche nach einer alternativen Energieversorgung
Eine Windkraftanlage im Naturschutzgebiet ist undenkbar und würde keine behördlichen Bewilligungen erhalten.
Eine geeignete Fotovoltaik Anlage wäre viel zu groß und unansehnlich im Hochgebirge und wäre dadurch auch nicht bewilligungsfähig. Beide Alternativen sind als Einzelanlagen auch zu unbeständig in der Energieproduktion um einen gesicherten Betrieb der Hütte zu gewährleisten. Auch ein Kabelanschluss an das öffentliche Stromnetz durch das gesamte Fotschertal hinauf ist durch die großen Entfernungen ökonomisch unrealistisch.

Die Lösung für eine alternative Energieversorgung: ein Kleinwasserkraftwerk
Die gebirgige Topographie ermöglicht eine Nutzung der Wasserkraft mittels eines Kleinwasserkraftwerks welches auf den Energiebedarf der Potsdamer Hütte maßgeschneidert ist. Die Anlage ist als Inselbetrieb Wasserkraftanlage geplant.
Die notwendige technische Infrastruktur für die Nutzung von elektrischer Energie in der Potsdamer Hütte wurde im Zuge von Renovierungsarbeiten 2013 bereits eingebaut (Warmwasser-Heizungsanlage, Pufferspeicher, Boiler, etc.).
Bei einer Realisierung der Wasserkraftanlage werden auch die bestehenden Kochmöglichkeiten (Holzherd und Gasherd) durch elektrisch betriebene Kochstellen ersetzt.

Das Ziel, erreichbar durch ein Kleinwasserkraftwerk
Das Ziel ist eine jahresdurchgängige und vollständige Substitution der fossilen Energieträger durch erneuerbare Energie welche vor Ort gewonnen werden kann. Vermeidung von Unfallrisiken durch erhebliche Verminderung der Transporte auf dem Zufahrtsweg. Durch die vollständige Substitution der fossilen Energieträger können rund 47,5 to an CO2 Emissionen eingespart werden.

Die ökologisch sensible Umweltsituation im Hochgebirge
Die Potsdamer Hütte und der Standort des Kraftwerks befinden sich im Ruhegebiet Kalkkögel. Weiteres sind der hintere Fotscherbach und seine Seitenzubringer als Naturdenkmal ausgewiesen. Aufgrund der äußerst sensiblen Umweltvorgaben wurden mehrere Vorgespräche mit den zuständigen Behörden der Tiroler Landesregierung und mit dem Tiroler Landesumweltanwalt geführt.

Die massive Reduktion der Umweltbelastung durch den Wegfall von Verbrennung fossiler Brennstoffe ermöglichte schlussendlich eine grundsätzliche Zustimmung der Behörde zur Errichtung einer Ökostromanlage. Auch mit allen betroffenen Grundstückseigentümern und Nutzungsberechtigten wurde im Vorfeld über die Planung eines Wasserkraftwerks gesprochen wobei bereits weitgehende Zustimmung signalisiert wurde.

Die umfangreiche Planung des Wasserkraftwerks
Nach der Grundsatzentscheidung für ein Wasserkraftwerk wurden die umfangreiche technische Planung mit Vermessung und Hydrologie, die naturkundefachliche Planung mit ökologischer Bestandserhebung und die gewässerökologische Bestandsaufnahme mit Feststellung des biologischen Zustandes durchgeführt. Ein entsprechend umfangreiches Einreichprojekt konnte im Mai 2015 der Behörde zur Begutachtung vorgelegt werden.

Das lange und konstruktive Behördenverfahren
Nach intensiven Vorgesprächen mit der Behörde im Herbst 2013 und einer spannenden Behördenverhandlung im September 2015 konnte schließlich der entscheidende Schritt zur Realisierung der Anlage am 27. Mai 2016 mit der Erlangung der wasser- und naturschutzrechtlichen Bewilligung durch das Umweltreferat der Bezirkshauptmannschaft Innsbruck erreicht werden. In diesem Bescheid sind alle technischen und umweltrelevanten Auflagen detailliert festgelegt. Für die möglichst schonende Umsetzung wurde von der Behörde auch eine ökologische Bauaufsicht bestellt welche die Bauarbeiten in der sensiblen Hochgebirgswelt überwachen wird.

Beschreibung der geplanten Ökostromanlage:
Die geplante Inselbetriebs-Wasserkraftanlage besteht aus einer kleinen Wasserfassung am Fotscherbach, einer etwa 620 m langen, unterirdischen Druckrohrleitung DN 200 mm im Zufahrtsweg, einem vollständig eingeschütteten Maschinenhaus, einem Erdkabel und einer Steuerleitung bis zur Potsdamer Hütte.

Eine 2-düsige Peltonturbine, gekpoppelt mit einem Drehstrom-Synchrongenerator ermöglicht die Erzeugung des elektrischen Stroms. Der Generator leistet bei Volllast etwa 30 kW. Die dazu benötigte Nutzwassermenge beträgt
max. 40 l/s. Das nutzbare Gefälle beträgt rund 100 m. Die Turbinenregelung erfolgt vollautomatisch je nach dem Wasserdargebot und dem aktuellen Strombedarf der Hütte. Die für die gesamte Energieversorgung der Potsdamer Hütte benötigte Jahresfracht beträgt lediglich 4,8 % der Jahresfracht am Fotscherbach.

Perspektive der geplanten Ökostrom-Wasserkraftanlage Potsdamer Hütte
Weitere Vorgangsweise
Derzeit ist der DAV dabei die Finanzierungsmöglichkeiten der Ökostromanlage abzuklären. Die gesamten Errichtungskosten inkl. Behördenverfahren belaufen sich auf etwa EUR 350 000,–. Der nächste Schritt ist die Ausführungsplanung und in weiterer Folge die Errichtung der Wasserkraftanlage in den Sommermonaten 2017. Ab Herbst 2017 soll die Potsdamer Hütte frei von fossilen Emissionen sein !

Der Kraftwerksplaner
Für die gesamte Planung, Bauabwicklung und die ökologische Bauaufsicht sowie für das umfangreiche Behördenverfahren konnte das renommierte und auf Wasserkraftanlagen spezialisierte Planungsbüro BERNARD Ingenieure ZT GmbH aus Hall in Tirol gewonnen werden.